Die Künstlerin in ihrer Ausstellung

Christa Hauer. Euphorie in Licht und Farbe – Malerei 1955 bis 2004

19. Februar 2005 bis 06. November 2005

Bereich:Kunst

Das Niederösterreichische Landesmuseum präsentiert anlässlich des 80. Geburtstags der großen Doyenne der österreichischen Kunstpolitik eine konzentrierte und verdichtete Werkschau aus sämtlichen künstlerischen Schaffensphasen.

Den Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit prägt zwar der konservative Künstlervater Leopold Hauer (1896-1984), doch bereits während ihrer Wiener Studienzeit beginnt Christa Hauer sich für die Moderne zu interessieren. Großen Einfluss übt der „Art Club Wien“ und vor allem die Begegnung mit Johann Fruhmann (1928-1985) aus. In Amerika der 1950er Jahre – Christa Hauer lebt 1953-1960 vorwiegend in Chicago – macht sie Erfahrung mit abstrakter Malerei, es entstehen erste, anfangs geometrische Bilder. Vor allem das „action painting“ eines Jackson Pollock stellt für sie eine wichtige Initiation für ihre anschließend gestisch-expressive Malphase dar, die sie auch in den frühen 1960er Jahren in Wien noch beibehält.
In den 1960er Jahren leitet Christa Hauer gemeinsam mit ihrem Mann Johann Fruhmann die inzwischen legendäre Galerie „Griechenbeisl“. Als Drehscheibe für die Moderne in Wien werden viele Erstausstellungen österreichischer Maler (Messensee, Moswitzer, Attersee u. a.) forciert und aktuelle Kunst aus dem Ausland präsentiert. Durch ihr kunstpolitisches Engagement in den 1970er und 1980er Jahren leistet sie einen essentiellen Beitrag zur Emanzipation der Künstlerinnen in Österreich, wie z. B. die Gründung der In♀Akt (Internationale Aktions-gemeinschaft bildender Künstlerinnen). In dieser Zeit entstehen weiterhin viele Werke, allerdings stellt Christa Hauer ihr eigenes künstlerisches Schaffen in den Hintergrund. Es inspirieren sie kosmische Formen, die wie eine Art „Urknall“ rotierende Bewegung in das Innere der Farbmaterie bringen und zur Entstehung neuer Farbkörper führen. Vergleichbar mit Planeten, die sich in der Unendlichkeit eines Farbkosmos befinden, ist ihre Malerei in dieser Zeit meditativ auf das Thema Licht bezogen.

Nach dem Tod ihres Mannes findet das Thema Natur Eingang in ihre Kunst. Sie findet zu einer fast lyrisch-expressiven Gestik, die sich vor allem in ihren neuen Landschaftsarbeiten entfaltet.
Hierbei verfeinert sie Naturempfindungen mit Farbe, Licht und Bewegung zu einem abstrahierenden Farbgeschehen. Der Golfkrieg, Reisen ans Rote Meer, nach Mexiko, nach Kuba und in den Jemen inspirieren die Künstlerin zu einer neuen Formensprache: die Zackenbilder entstehen. Darin findet sich die Küstenlinie zwischen rosafarbenem Sandstrand und tiefblauem Meer wieder, die ihrerseits als „Landschaftssausschnitte“ miteinander korrespondieren und sich zu neuen Bildserien formieren. Diese Bilder schlagen einen spannenden Bogen zu den frühen geometrisch-lyrischen Werken der 1950er Jahre.


Literaturhinweise:
Christa Hauer – Die Malerin, Hrsg. NÖ Landesmuseum, Wien 1995
Christa Hauer – Vom Konstruktivismus zum Informel, Arbeiten 1954-1964, Hrsg. Manfred Kopriva, Krems, 2001
Christa Hauer – Meditative Abstraktion, Arbeiten 1964-1984, Hrsg. Manfred Kopriva, Krems 2003
Künstler, Sammler, Mäzene – Die Sammlung Hauer-Fruhmann, Hrsg. Christa Hauer, Lengenfeld 2004

Kurator: Carl Aigner