Spielzeugofen  Landesmuseum Niederösterreich, Foto: A. GiessweinSpielzeugofen Landesmuseum Niederösterreich, Foto: A. Giesswein

Spielend zur Hausfrauenrolle

Das „Objekt des Monats“ in Form einer Vitrine im Foyer wurde 2011 initiiert und wird seither von Gerhard Hintringer kuratiert.

 

Spielend zur Hausfrauenrolle
Ergänzend zum Frauenschwerpunkt

 

Dieser beheizbare Herd (ca. 1900) und die Reinigungsgarnitur (ca. 1960) fallen unter die Kategorie „Spielzeug für Mädchen“ und verdeutlichen die in diesem "Spielzeug" implantierte Absicht, nämlich die Vorbereitung der Kinder auf das Erwachsenenleben.
Wenn Sie das Spielzeugangebot - egal um welche Zeit es sich handelt - unter dem Aspekt: "Vorbereitung auf das Leben" bzw. "Miniaturisierung der Erwachsenenwelt" betrachten, so werden Sie festsstellen, dass der Großteil des erzeugten "Spielzeuges" diesem Zweck dient, egal ob es sich um die für Knaben im Mittelalter gemachten Lanzenpferdchen, die in der laufenden Ausstellung "Frauenleben" gezeigten Puppenküchen und Puppenkleider oder um die heutzutage schon für Kleinstkinder angebotenen "Handys" und "Computer" handelt. Auch werden Kinder durch "Spielzeug" dahin gebracht, bestimmte Fähigkeiten zu entwickeln, die sie dann im Leben brauchen können, denken wir nur an die diversen Rollenspiele oder an das "Monopoly Spiel" (bei uns "DKT" = "Das kaufmännische Talent" genannt). Auch mit Kindermode wurde einst eine politisch erwünschte Geisteshaltung vermittelt, nämlich mit dem Matrosenanzug, der um 1900 herum entstanden ist. Damit wollte Kaiser Wilhelm II. den Marinegedanken im Volk verankern.
Dem an der Vergangenheit interessierten Sammler ermöglicht das Spielzeug natürlich einen wunderbaren Einblick in die damals existierende reale Welt der Erwachsenen. Egal ob es sich um die um ca. 1910 produzierte Kinderrassel in Form einer Granate oder um die in der Gegenwart erzeugte Plastikfigur eines vermummten Terroristen handelt.

Wilhelm von Humboldt hat es sehr drastisch ausgedrückt: "Wer die Vergangenheit nicht kennt hat keine Zukunft". Etwas milder gesagt:
Das Beschäftigen mit der Vergangenheit ermöglicht es uns, die Gegenwart zu verstehen. Vor allem wir Niederösterreicher können uns durch die Kenntnis unserer Vergangenheit viel mehr an den Gegebenheiten der Gegenwart freuen und diese genießen.

 

Leihgeber und Text: Helmut Bauer
Gestaltung: Andreas Gießwein
Kurator: Gerhard Hintringer

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