Räucherpfanne  Räucherpfanne

Räucherpfanne


Das Landesmuseum zeigt im Foyer seit 2011 das „Objekt des Monats“.
Dabei handelt es sich um sehr unterschiedliche Dinge wie Neuigkeiten, Aktuelles, Kurioses, alle haben aber jeweils einen direkten Bezug zu Inhalten des Landesmuseums oder ergänzen diese.

 

Räucherpfanne

Leihgeber: Dr. Johannes Kritzl

In vielen Orten Niederösterreichs ist es ein alter Brauch, am Heiligen Abend
(24. Dezember), am Altjahrstag (31. Dezember) sowie am Abend vor Heiligen Drei König (5. Jänner) mit der Räucherpfanne oder einem Weihrauchfass die Wohnung sowie die Ställe auszuräuchern (in der Mundart meist als „ausraucka“ bezeichnet). Das Räuchern der Behausungen von Mensch und Tier wurde bereits im Mittelalter praktiziert. So schreibt etwa Johannes Boemus 1520: Die zwolff naecht zwischen Weihenacht und Heyligen drey Künig tag ist kein hauß das nit all tag weiroch rauch in yr herberg mache. Der Ursprung dieses Rituals ist jedoch nicht genau bekannt: Zum einen verbindet sich das Ausräuchern mit der Vorstellung der Austreibung von bösen Dämonen und Geistern, weshalb es auch in vielen esoterischen Strömungen zu finden ist. Zum andern wusste man in Europa schon lange um die desinfizierende Wirkung des Räucherns, weshalb in vielen Gegenden Österreichs neben Weihrauch auch noch mit vielen anderen Kräutern wie Wacholder, Johanniskraut, Fuchskreuzkraut etc. geräuchert wird. Die Traditionelle Europäische Heilkunde (TEH), die in jüngster Zeit wieder an Popularität zugenommen hat, kennt Räucherungen als Förderung des Heilungsprozesses oder als Vorbeugung auch außerhalb der genannten drei besonderen Raunächte. Bei diesen verbindet sich das Ausräuchern mit einem religiösen Aspekt: So wird neben dem Ausrauchen Haus und Hof auch mit Weihwasser besprengt, verbunden mit Gebeten um Schutz im Neuen Jahr. Besonders das „Rauchbeten“ vor dem Drei-Königs-Tag verbindet das Bittgebet mit dem biblischen Geschenk der Heiligen Drei Könige, die dem neugeborenen Kind von Betlehem unter anderem auch Weihrauch darbringen. Somit verbindet sich beim Ausrauchen auch das häusliche Feiern mit der Liturgie in der Kirche.

Tipp: Mehr über den Einsatz von Naturalien in der Volksmedizin können Sie ab 8. März 2015 in der naturkundlichen Sonderausstellung „Warzenkraut und Krötenstein – Natur in Volksmedizin und Aberglaube“ erfahren.


Text und Leihgeber: Dr. Johannes Kritzl
Gestaltung: Andreas Gießwein
Kurator: Gerhard Hintringer

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