Adventkranz  © Landesmuseum Niederösterreich, Foto: F. RöperAdventkranz © Landesmuseum Niederösterreich, Foto: F. Röper

Adventkranz

Das „Objekt des Monats“ in Form einer Vitrine im Foyer wurde 2011 initiiert und wird seither von Gerhard Hintringer kuratiert.

 

Adventkranz

 

nach J.H. Wichern

Der Adventkranz ist von unseren Häusern und Kirchen nicht mehr wegzudenken und fixer Bestandteil des vorweihnachtlichen Brauchtums. Doch beim Adventkranz handelt es sich um einen relativ jungen Brauch der Adventzeit. Der evangelische Theologe und Erzieher Johann Hinrich Wichern gilt als Erfinder desselbigen. 1839 soll er für arme Kinder, denen er ein Zuhause gab, in Hamburg den ersten Adventkranz aus einem Wagenrad gebastelt und ihn mit Kerzen versehen haben. Für jeden Tag des Advents war eine Kerze vorgesehen. Somit kann der in protestantischen Kirchen Norddeutschland bis heute zu findende Adventkranz nach Wichern jedes Jahr eine unterschiedliche Anzahl an kleinen Kerzen aufweisen, da die Anzahl der Adventtage von mindestens 18 bis maximal 24 reichen kann. Die vier Adventsonntage erhielten mit größeren Kerzen eine besondere Kennzeichnung. Der Adventkranz ist auf jeden Fall eine protestantische Erfindung aus Norddeutschland und hat in katholische Gegenden erst vor etwa hundert Jahren Einzug gehalten.
Schon gewusst? Der Advent dauert nicht überall in Europa gleich lang. In den von den orthodoxen Kirchen geprägten Ländern Osteuropas beginnt der Advent mit dem Fest des Apostels Philippus am 14. November, was in unserem Gregorianischen Kalender dem 27. November entspricht, und dauert bis inklusive 6. Jänner unserer Zeitrechnung, was dem 24. Dezember des in der Ostkirche gebräuchlichen Julianischen Kalender entspricht. Somit wird in den orthodoxen Kirchen analog zur österlichen Bußzeit eine 40-tägige Fastenzeit vor Weihnachten eingehalten. Diese längere Vorbereitungszeit auf Weihnachten ist jedoch auch in der lateinischen Westkirche bekannt: Die Diözese Mailand kennt bis auf den heutigen Tag sechs Adventsonntage, da man sich auf eine alte, vom Heiligen Ambrosius (339–397) herrührende Tradition beruft.

Gestaltung: Andreas Gießwein

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